Glen More hat ein sehr löcheriges Thema: Loch Ness, Loch Lochy, Loch Oich. Lochhaft! Wobei ich Loch Lochy besonders niedlich finde. Ich habe vorher noch nie etwas von Loch Lochy gehört. Nun bin ich schlauer. Das gibt es wirklich und hat sogar ein eigenes Monster. Lizzie! Lizzie und Nessie! Ob die sich kennen? Durch Spiele erfährt man wirklich tolle Sachen.
Neben dem lochhaften Thema gibt es aber auch noch das Spiel selber. Eines sei verraten: Glen More ist nicht niedlich.
Wir sind die Oberhäupter s
chottischer Clans. Den ganzen Tag essen wir Haggis, gehen Maria Stuart in ihrem Castle besuchen und wenn nichts gutes im Fernsehn läuft gehen wir anderen mit unserem Gedudel auf den Sack - wir spielen Dudelsack. Das ist auf Dauer aber langweilig. Also beschliessen wir eines schönen Tages, auch sowas soll in Schottland vorkommen, lieber unserer Gebiet zu vergrößern und Siegpunkte zu sammeln. Briefmarken gab es ja noch nicht, also tauschten die Clanchefs Siegpunkte in ihren Sammelalben.
Wir starten ganz bescheiden mit einem Dorf und einem Clanmitglied. Auf dem Spielplan liegen unsere Wünsche, unsere Träume - jede Menge Plättchen zum Ausbau unseres Dorfes. Diese liegen in einer Kette und am Ende der Kette stehen wir. Immer der Letzte, der der ganz hinten steht, ist dran. Und zwar so lange bis er nicht mehr der Letzte ist. Das kennen einige von uns ja schon aus Jenseits von Theben. Und auch hier machen die Spieler die gleiche Erfahrung. Wir dürfen zwar ein beliebiges Plattchen in der Kette nehmen, egal wie weit vorne es liegt. Nur, wer allzu weit vorprescht, der kann dann erstmal Whisky trinken gehen. Denn er ist erst wieder an der Reihe, wenn er wieder Letzter wird. Also darf er warten bis alle ihn überholt haben. Wer in kleinen Schritten vorantrippelt ist öfter dran. Dafür werden ihm dann aber vielleicht lukrative Plättchen weggeschnappt. Zwickmühle.
Plättchen, Plättchen - was ist denn damit? Also wenn wir so ein
Plättchen haben, wird es eventuell bezahlt und dann eingebaut. Manche Plättchen sind kostenpflichtig, andere gratis. Die Plättchen zeigen weitere Dörfer, Produktionsfelder um Getreide, Stein etc. zu bekommen, nette Extragebäude wie Tavernen, Krämer und Destillen, um Siegpunkte und Whisky zu bekommen. Dann gibt es noch die besonderen Orte. Das sind Schlößer und Seen, natürlich auch Loch Lochy und Loch Ness. Diese besonderen Orte bieten - wie der Name ja impliziert - alle besondere Vorteile. Die besonderen Orte sind sehr begehrt, wenn auch sehr teuer.
Unsere Neuerwerbung bauen wir an unser Dorf an und aktivieren sie. Wir hoffen dabei nicht auf einen ersten Platz im "unser Dorf soll schöner - Wettbewerb" sondern sind einfach nur scharf auf den Nutzen. Plättchen müssen Seite an Seite gelegt werden und brauchen mindestens ein benachbartes Clanmitglied. Zeigen die Plättchen Fluss oder Strasse, müssen diese fortgeführt werden. Wenige Regeln, die aber reichen um einen so manches Mal in Bedrängnis zu bringen. Gerade die Clanmitglieder sind ein zweischneidiger Dudelsack. Zum einem brauchen wir sie dringend in unserem Gebiet, wegen der Aktivierung der Plättchen. Zum anderen wollen wir sie gerne vom Gebiet abziehen, denn dann zählen sie für die Wertung. Beides ist wichtig.
Nun bringen alle anliegenden, sowie das gerade plazierte Plättchen einen Nutzen entsprechend ihrer Funktion. Die Kette auf dem Spielplan wird aufgefüllt, weiter geht es.
Die Plättchen sind in Häufchen unterteilt. Ist ein Häufchen leer, kommt es zu einer der 3 Wertungen. Die Clanchefs kommen zusammen und protzen. Whiskyproduktion, Anzahl der Chieftains (Rentermännekens, also aus dem aktivem Dorfleben abgezogene Männeken) und Anzahl der besonderen Orte werden verglichen. Wer ist der allertollste von allen? Und hier wird es wieder trickreich. Punkte gibt es nach folgender Regel: die eigenen Errungenschaften werden mit den Errungenschaften des Spielers verglichen, der am wenigsten hat. Die Differenz wird durch eine Tabelle in Siegpunkte umgewandelt.
Nach der dritten Wertung gibt es noch eine Schlusswertung. Geld entspricht zum Kurs von eins zu eins Siegpunkten. Geld? Ja, habe ich es noch nicht erwähnt? Der Spielplan zeigt auch noch einen Rohstoffmarkt auf dem gekauft und verkauft werden kann. Im Laufe des Spiels neigt man als unerfahrener Spieler allerdings dazu, den wahren (Siegpunkt) Wert des Geldes zu vergessen. 1 Geld = 1 Siegpunkt!
Bei der Schlussabrechnung gibt es noch eine Fiesität: Wieder wird mit dem Mitspieler der am wenigsten hat, verglichen. Diesmal die Plättchenanzahl des Dorfes. Wer mehr hat muss nun drei!!! Siegpunkte pro Mehrplättchen abgeben. Das kann sehr wehtun!
Glen More fand ich total obergrottenextremschlecht. Ich war geradezu
entsetzt, es gründlich testen zu müssen. So ein Murks. Dazu diese winzigst geschriebene Spielregel durch die man sich zu kämpfen hat. Aber nach der dritten Partie war es okay. Nach der neunten Partie: absolutobersupertoll! Was ich damit sagen will. Glen More bitte nicht gleich ins nächste Sumpfloch werfen, nur weil die erste Partie nicht gefällt. Gebt Glen More noch eine Chance. Es braucht eine gewisse Lernkurve, um Spaß zu machen. Alles ist irgendwie vernetzt, verzahnt und es gibt soviel zu überlegen und zu bedenken. Wobei ich auch gleich beim Haken bin: WARTEZEIT. Je größer so ein Clangebiet ist, desto mehr gibt es zu bedenken. Und das kann sich sehr in der Wartezeit niederschlagen. Meine Lieblingsbesetzung für Glen More ist: 2 bis 3 Spieler, die das Spiel gut kennen. Dann spielt es sich zügig und sehr spannend.
Dabei spielt in diesen Besetzungen ein Würfel mit. Dieser simuliert einen weiteren Mitspieler. Das klappt gut und stört auch nicht. Der Verwaltungsaufwand hält sich sehr in Grenzen, erwürfelte Plättchen fliegen einfach raus. Wobei der blöde Würfel auch mal die Plättchen rauswirft, die man selber soooo gerne genommen hätte. Dann, wenn man endlich mal wieder dran ist. Aber es musste ja sein, dieser letzte weite Sprung, aber nun MUSS ich endlich wieder dran sein... was schon Wertung? Mist!!
Nach anfänglicher totaler Ablehnung drehe ich nun die Schachtel auf den Kopf. Denn eigentlich ist Glen More die Nummer 6 in der Reihe. Umgedreht spiegelt die Schachtel den Spielspaß aber viel besser wieder: 9.
Wertung: 9 von 10
Glen More, Matthias Cramer, Alea, 2 bis 5 Spieler, 2010
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