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Takenoko

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(5 - user rating)

TakenokoTakenoko ist ein Blender. Also das soll jetzt nicht bedeuten das Takenoko ein 3-D Grafikprogramm oder gar eine Küchenmaschine wäre. Nein Takenoko ist ein Spiel. Eines das uns blendet. Denn Grafik und Spielmaterial erstrahlen in solch fulminantem Glanz, das es schon vor dem ersten Spiel zu euphorischen Ausbrüchen seitens der Mitspieler kommt. Das ist toll, wird schon vor der ersten Partie beschlossen. Schließlich gibt es da einen knuffigen Pandabären und mal eine vom Mainstream abweichende Grafik, die uns an die gute alte Zeit erinnert, als wir bei Oma vor dem Fernseher mit Choco Crossies Tao Tao geguckt haben.

Ich hatte das Glück, das meine Oma in einer Fabrik arbeitete, Takenokowo Bettwäsche und Tischdecken und so bedruckt wurden und vom Personal zum Superschnäppchenpreis gekauft werden konnten. Daher hatte ich auch Tao Tao Bettwäsche. Leider nicht mehr. Schade eigentlich. Dann tröste ich mich eben mit Takenoko.

Hat Takenoko bis hierhin die meisten Herzen schon erobert, setzt es nun noch einen drauf. Einen Bambus. Da ja natürlich jeder halbwegs gebildete Mensch weiß das Takenoko japanisch für Bambussprosse ist, war das ja zu erwarten. In Takenoko entsteht im Laufe des Spiels tatsächlich ein Bambuswald. In 3D und Farbe. Da gibt es rosa Bambus, grünen Bambus und gelben Bambus. Jedenfalls theoretisch, denn in der Realität schmackofatzt das alles der nimmersatte Panda weg. Ob der mit meinen Katzen irgendwie verwandt ist?

TakenokoAber von vorne. Was bei Takenoko nicht einfach ist. Denn ständig driftet man ab, taucht ins Thema ein, kommt ins Schwärmen. Selbst die Spielregel sieht schick aus, beginnt mit einem Comic. Also......Siehste, ein Blender. Sieht so toll aus, aber ob das Spiel eigentlich gut ist, kriegt da keiner mehr mit.....

Zum Glück gibt es spielenswert. Sarah, also ich, ist ja bekannt für ihre knallharten Tests, die fällt doch nicht auf Äußerlichkeiten rein. Habe ich eigentlich schon erwähnt, das jeder Spieler ein hübsches Tableau bekommt?

Nun aber. Der Kaiser von China (nein das ist nicht schon wieder Abschweifung, sondern die Geschichte zum Spiel) schenkt dem Kaiser von Japan einen Panda. Und weil das kein mit Styroporkugeln  ausgestopfter Panda von der Kirmes ist, sondern ein echter, ist das unpraktisch. Wir, die Höflinge, sind die Dummen, die sich um das Viech nun kümmern sollen. Viel Spaß. Das Viech ist nämlich wie gesagt nicht nur gefrässig, sondern auch recht eigenwillig.

Und Japan ist eine Insel. Jetzt mal ein wenig vereinfacht. Und diese Insel startet mit einem See. Ja. Also ein See im Meer. Ja. Aber ein Häuschen is drauf abgebildet, da starten dann auch Panda und Gärtner. Der Gärtner scheint übrigens recht alt zu sein, denn meiner kippt öfters um.

Wer am Spielzug ist, würfelt. Und bestimmt damit das Wetter. Das heisst übersetzt, er bekommt irgendeinen Vorteil. Darf in seinem Zug beispielsweise eine Regel durchbrechen oder bekommt ein wertvolles Verbesserungsplättchen. Nun wählt der Spieler 2 aus 5 möglichen Aktionen. Da kann die Insel per Beet vergrössert werden, ein Bewässerungskanal genommen werden, Panda oder Gärtner bewegt werden oder eine Aufgabenkarte nachgezogen werden. Zack. Nächster Spieler. Hat ein Spieler eine bestimmte Anzahl an Aufgaben erfüllt, endet das Spiel, höchste Punktzahl gewinnt. So, das war kurz und schmerzlos. Bisher.

Die Aufgabenkarten. Die sind verschieden viele Punkte wert und ebenTakenoko auch verschieden schwer zu erfüllen. Außerdem gibt es drei verschiedene Arten. Beetaufgabenkarten erfordern eine bestimmte Anordnung angrenzender Beete. Gärtneraufgabenkarten erfordern das Wachstum von Bambus in bestimmten Konstellationen. Pandaaufgabenkarten erfordern einen hungrigen Panda. Futtert der ein vorgegebenes Menü, ist die Aufgabe erfüllt. Aufgabe 2 und 3 passen nicht unbedingt gut zueinander. Aufgabe 2 und 3 führen dazu, das Spieler sich in Quere kommen. Aufgabe 2 und 3 sorgen dafür, das der niedliche kleine Panda manchmal beschimpft wird. Aufgabe 2 und 3 sorgen für viel Bewegung von Panda und Gärtner auf dem wachsendem Spielplan. Wachsen muss für alle aber der Bambus. Denn wo nix wächst, kann nix gefressen werden.

Das das mit dem Wachsen gar nicht so einfach ist, weiß ich aus eigener Erfahrung. Gedeihen meine Jalapeno und Chilipflänzchen auf der Fensterbank recht gut, sieht der Koriander sehr traurig aus. In Takenoko braucht es nicht nur den Gärtner auf dem Feld sondern auch Wasser. Zu Beginn, am See, ist ja automatisch bewässert. Später brauchen wir allerdings Kanäle oder Verbesserungsplättchen, damit da überhaupt was passiert. Diese Verbesserungsplättchen können übrigens auch einen Panda vom Feld verbannen (Elektroschockzaun?) oder das Wachstum verdoppeln.

Takenoko - hungriger Panda - armer GärtnerTakenoko ist also ein Aufgabenerfüllungsoptimierungsspiel mit Knuffelfaktor. Und Ärgerfaktor. Und durchaus mit Spaßfaktor. Takenoko macht in allen Besetzungen Spaß. Den Bambus wachsen zu sehen, den Panda fressen zu sehen, die Mitspieler schimpfen zu hören. Also ein Überspiel? Nein. Finde ich. Ein schönes, ein gutes Spiel. Aber kein Überspiel. Warum? Sobald man Takenoko ein paar Mal gespielt hat, entdeckt man auch das Spiel hinter der Fassade. Und das ist ganz nett. Aber eben nur ganz nett. Ein Großteil des Spielspaßes kommt eben durch die Aufmachung und die Umsetzung des Themas. Das nutzt dann aber eben mit der Zeit etwas ab. Das Wiederspielen wollen wird schnell weniger. Takenoko hat einen nicht unerheblichen Glücksanteil. Beim Ziehen der Beete, beim Ziehen der Aufgabenkarten. Tipp: unbedingt nach der Expertenregel spielen. Sonst kann es passieren das eine Aufgabenkarte schon beim Ziehen als erfüllt gilt. Besonders zum Ende des Spiels, wenn unser Japan immer größer wird, wird Takenoko glücksabhäniger. Da reichen beim einem vielleicht 1, 2 Aktionen, um zur Aufgabenerfüllung zu gelangen, der andere muss sich die erforderte Konstellation erst mühevoll erschaffen.

Ein Blender also, ist Takenoko. Es stellt mehr dar, als es tatsächlich ist. Da Takenoko aber trotz allem auch ein gutes Spiel ist, ist das für mich vollkommen in Ordnung. Denn ich bin verspielt genug, um einfach das laute Haps und Rülps des Pandas im Spiel, das Spielerlebnis selbst, zu geniessen. Zu ernst sollte man Takenoko aber nicht nehmen.

 

Wertung: 7 von 10

Takenoko, Antoine Bauza, Matagot/Bombyx, 2 bis 4 Spieler, Illustratoren: Nicolas Fructus, Joel Van Aerde & Yuio, Grafiker: Julien Jeanroy-Bertrand 2011





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