Natürlich gibt es Bier auf Hawaii. Jeder der Magnum guckt, weiß das. Auf Hawaii fischen die Fischer, tanzen die Tänzerinnen und surfen die Surfer. Und was macht Magnum? Magnum sitzt zusammen mit Higgins rum und grübelt über die richtige Kombination. Nein, nicht die Kombination zum Schloß des Weinkellers, sondern zum Sieg. Higgins ist ja sonst eher leidenschaftlicher Schachspieler. Aber dieses neue Spiel von Gregory Daigle, dieses Hawaii, das vermag besonders ernsthafte Startegiespieler zu fesseln.
Hawaii hat einfach alles was das knallharte Vielspielerherz begehrt: viele Regeln, über die man auch sehr gut spitzfindig diskutieren kann, viel fummeliges, verschluckbares Spielmaterial, Grübellastigkeit, ordentliche Spieldauer und hoher Spielplatzbedarf.
Vor jedem Spieler liegt ein Winkel, wirklich ohne romantische Bezeichnung in der Spielregel, den es gilt mit Dörfern auszubauen. Da gibt es Muschelhütten und Fruchtplättchen, Kahunas und Tikkis, Speerhütten und Tauschhütten, Bewässerung und Surfer, Hula-Tänzerinnen und Götter. Alles, was das Herz begehrt, alles mit je eigenen Regeln. Nur der rote Ferrari, der fehlt.
Mit diesem ganzen verschiedenem Zeugs versuchen wir unseren Winkel
so auszustatten, das wir während des Spiels und vor allen Dingen in der Schlußwertung, möglichst viel Punkte abstauben.
Unser Winkel ist ein Koordinatensystem. Da gibt es die X- Achse mit den Tikkis und die Y-Achse mit den Kahunas. Beide stellen Extremstrategien dar, Mischungen sind aber möglich und ebenfalls erfolgsversprechend. Die x-Achse bestimmt welche Dörfer überhaupt in die Schlußwertung gelangen, dargestellt von Tikkis. Vernachlässigen wir diese Achse, heißt es, sich auf ein Dorf zu konzentrieren. Die y-Achse kann viele Siegpunkte bringen, falls die x-Achse genügend ausgebaut ist, dargestellt von Kahunas.
Jede Runde werden wir Spieler mit einem sinkendem Einkommen ausgestattet. Füße, Muscheln und Obst heissen die drei unterschiedlichen Währungen. Da Hawaii noch keine Eurozone ist, werden alle Währungen strikt voneinander getrennt. Sortenrein wird für Bewegungen mit Füßen und mit Muscheln für Zeugs bezahlt, Obst ist eine Jokerwährung.
Mit diesem Geld ausgestattet bewegen wir unseren Häuptling über die Insel und lassen ihn einkaufen. Auch hier gibt es viele kleine Regeln. So wechseln nach einem ausgeklügeltem System jede Runde die Preise und auch die Angebotsmenge. Da auch die Mitspieler immer zwischen schnellem Schnäppchen und superwichtigen, unbedingt ins Portfolio passenden Plättchen Ausschau halten, gilt es abzuwägen. Was mache ich wann oder ist diese Gelegenheit dann schon weggeschnappt? Die eingekauften Tänzerinnen und Hütten, Götter und Boote bringen und mal dem Siegpunkthimmel näher, mal bringen sie uns spezielle Vorteile oder jede Runde Einkommen.
Wer sich dabei unausgelastet fühlt, kann außerdem noch Fischen gehen (Punkte für die Rundenabrechnung) oder per Boot auf Nachbarinseln fahren. Natürlich nicht um Kuchen und Wein vorbeizubringen, sondern um selber fette Gastgeschenke abzustauben. Danach macht die besuchte Insel dann allerdings nur noch mal kurz "gluck gluck" und geht dann unter.
Am Ende der Runde gibt es Siegpunkte für fleissige Fischer und Shopper. Wer dabei einen Mindestumsatz, der dummerweise von Runde zu Runde steigt, bei wir erinnern uns, von Runde zu Runde sinkendem Einkommen, macht, bekommt auf alle Fälle immer wenigstens ein paar Trostpunkte.
Nach der fünften Runde gibt es eine Schlußabrechnung und der Sieger steht fest. Und ich bin verdammt stolz auf mich. Denn dies ist jetzt mal ein wirklich kurzer Regelüberblick zu Hawaii. Hawaii ist verdammt umfangreich und detailliert. Daher fehlt jetzt auch ganz viel. Aber hätte ich alle Einzelheiten beschrieben, wäre mir garantiert das Papier ausgegangen.
Hawaii hat eine recht hohe Einstieghürde. Das geht vom fummeligen Spielaufbau bis zu den vielen, vielen Regeldetails. Da hört man beim Erklären schon mal ein leises Stöhnen am Tisch. Aber. Durch den variablen Spielaufbau verändert sich das Spiel wirklich. Das ist nicht nur Kosmetik. So gibt es Partien in den Muschelhütten, die zusätzliches Einkommen bringen und recht beliebt sind, einfach soweit weg vom Strand liegen, das sie sich, wenn sie auch noch gerade teuer sind, zuviele Muscheln plus Füße für die Bewegung kosten, um überhaupt rentabel zu sein. Mal sind Boote/Schiffe attraktiv, mal nicht. Ich habe erst vermutet, es würde sich recht schnell eine sinnvolle Strategie herauskristalisieren, dem ist aber nicht so. Hawaii ist verdammt knifflig. Hawaii ist verdammt spannend. Und nachd en ersten ein, zwei Runden sitzt auch der Spielablauf. Hawaii dauert locker 90 Minuten und mehr. Aber es fühlt sich kürzer an. Das einzige was nervt, sind Extremgrübler bei Hawaii. Weil man ja selber endlich wieder dran sein möchte, um seine Pläne aufgehen zu sehen. Es gibt soviele Stellschrauben, so viele Möglichkeiten, Verzahnungen, es lässt und Vielspieler von innen heraus einfach nur noch glückselig strahlen.
Hawaii ist für mich neben Walnut Grove und Siberia das Winterhighlight 2011/12. Und zu Zweit, zu Zweit ist es nicht nur auch sehr spannend, sondern auch um einiges flotter gespielt.
Nur das Bier, das kann man bei Hawaii nun gar nicht gebrauchen, denn einen klaren Kopf braucht es schon...
Wertung: 9 von 10
Hawaii, Gregory Daigle, Hans im Glück, 2 bis 5 Spieler, ab 10 Jahre, 2011
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2012-03-20 20:28:37 |91.97.76.xxx| Sarah
Hallo Holger,
Ex EX Ex Ex...stimmt, das brauche ich gar nicht tippen. Macht nich soviel Sinn und sieht auch nicht hübsch aus.
jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa....................aber..........
also beim Regelstudium von Hawaii dachte ich auch: öh, alles schon mal gegessen, laaangweilich!
Aber mir macht das Spiel trotzdem EXTREM viel Spaß und das sollte ich glaube ich berücksichtigen

Aber ich bin ja sehr erleichtert, das Du es wieder mitspielen würdest
Du hast Dir ja Santiago de Cuba gekauft. Ich habe beide. Aber müsste ich mich für eines entscheiden, also bei mir würde die Wahl auf Hawaii fallen.Ich fordere auf alle Fälle Revanche! Aber als Nächstes steht ja Santa Cruz auf unserem gemeinsamen Spielplan. Wann eigentlich?
Grüße aus der Ri-Stadt, Sarah
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2012-03-31 17:10:55 |91.97.189.xxx| Dieter Niehoff - Hawaii
Hallo Sarah,
ich stimme Dir in allen Folgerungen zu, komme jedoch zu einer (noch) positiveren Wertung: 10 von 10 Punkten.
Ich habe mittlerweile fast 20 Partien in allen Besetzungen erlebt und bin nach wie vor begeistert. Jedoch kam die Lust an HAWAII erst ab der dritten Partie hervor. Seitdem aber nach wie vor. Meine (hymnsiche) Rezi wirst Du dann demnächst in der neuen FAIRPLAY lesen können.
Es gab viele gute Spiele in 2011, aber eben auch ein paar herausragende. HAWAII gehört dazu. VILLAGE vielleicht auch, WALNUT GROVE nicht ganz und der KAISPEICHER macht die SPEICHERSTADT jetzt zumindest "2+".
Hans im Glück hat damit zwei heiße Eisen im "Spiel des Jahres" und "Kennerspiel des Jahres" - Feuer: SANTA CRUZ und HAWAII.
Liebe Grüße
Dieter
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Hallo
Herzlichen Glückwunsch zu deiner wiedermal ,gelungenen, Rezi.
Aber lass dir 2 Dinge sagen:
1. Am Computer, so wie du ihn nutzt, brauchst du kein Papier!
2. Dann ergo auch kein Tipp-Ex.
Aber Spaß beiseite.
Da ich ja das große Glück hatte, von der besten zu lernen(;-) wenn du auch extrem abgeloost hast), muß ich sagen: Soooooooooooooooooviel Regel war das gar nicht.
Auch muß ich sagen, das Spiel war ganz nett, aber.....
Es gibt in meinen Augen 3 Klassifizierungen von Spielen.
1. Nie wieder
2. Ganz nett, würde ich nochmal mitspielen. Aber, muß ich das haben?
3. Geil, Sofort bestellen.
In der heutigen Zeit gibt es soviel Spiele die aber für meinen Geschmack nicht innovativ und fesselnd genug sind. Und genau dazu und zur 2. Sorte gehört Hawai für mich.
In diesem Sinn
Holger