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Divinare

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(5 - user rating)

DivinareStier: eine langersehnte Nachricht wird Dir viel Freude bringen, beruflich hast Du viel Schwung drauf und positive Möglichkeiten tun sich Dir auf. Flirtfaktor: unglaublich hoch natürlich! Bei Deinem Charme!Und außerdem regnet es morgen.

Klar, also zumindest den Teil mit dem Regen glaube ich glatt. Zugegeben, ab und an, also wirklich nur wenn so wirklich absolut gar nichts anderes zu tun ist, lese ich mein Horoskop. Wat weiß ich, wenn ich im Zug fahre und alle Kreuzworträsel ausgefüllt sind. Warum eigentlich? Dran glauben tue ich eh nicht. Aber ich finde die Formulierungen ganz witzig. Klar, und den Playboy liest man wegen der Reportagen....

Astrologie, Hände lesen, Kaffesatz lesen und in die Kristallkugel schauen, das sind die vier Disziplinen in Divinare. Ob Strategen oder Würfler, bei Divinare rümpfen die meisten erstmal die Nase. Horoskop! Kristallkugel. Bäh! Manche erinnern sich gar noch an Merlins Cristall, einem Trashspiel, auf dessen Erwerb für 1 Euro auf dem Flohmarkt ich noch sehnsüchtig warte. Meine Mitspieler würde ich sicherlich mal auf einem Spieleabend damit verzücken.

DivinareZurück zu Divinare. Die Regel. Könnte besser sein, ist aber doch recht schnell erfasst. Wer dran ist spielt eine Handkarte aus und bewegt anschließend seinen Vorhersagemarker in der entsprechenden Farbe. Für vier Farben soll nun orakelt werden in welcher Menge sie bei Rundenende ausliegen. Wer erfolgreich ist erhält Pluspunkte, wer vorraussagt das Top & Down das nächste Spiel des Jahres wird oder aber die Kartenanzahl nicht richtig einschätzt, bekommt Miese. Nach vier Runden werden die Punkte gezählt und der neue Oberseher steht fest. Ganz einfach also.

Trotzdem. Divinare ist so ein Spiel, bei dem alle nach der Regelerklärung erstmal eher unschlau aus der Wäsche gucken. Macht nix. Einfach mal losspielen. Wir haben jeder zu Beginn der Runde 6 Handkarten. 3 Davon geben wir an den Nachbarn weiter, erhalten selber aber auch drei. Und damit eben schon mal ein Mehr an Informationen. Der Erste spielt eine Karte aus, was weis ich eine blaue. Weil blau schön ist. Nun MUSS er eine Vorhersage für blau treffen. Ich sehe was was Du nicht siehst und das ist blau - das Sofa? der Nachbar? Carcassonne? Nein, sofort aufhören, alles falsch. Konzentration bitte. Nein, der eigene Marker muss nun auf ein Zahlenfeld gesetzt werden. Meine ich bspw. das am Rundenende 4 blaue Karten ausliegen werden, lege ich ihn auf die 4. Oder auch nicht. Schließlich könnte ich ja später nochmal eine ausspielen,muss mich dann aber dort wieder wegbewegen, weil die Bewegung Pflicht ist. Außerdem darf immer nur einer ein Zahlenfeld besetzen. Also setze ich mich erstmal auf die 8 und tue so als ob ich wüsste das da superviel blau im Spiel ist. Der nächste Spieler fällt vielleicht drauf rein und setzt sich auf die 7. Klar am Rundenanfang ist es noch sehr nebelig in der Kristallkugel. Da aber während der Runde noch zwei mal Karten weitergegeben werden, wird die Möglichkeit Vorraussagen zu treffen immer besser. Und auch der Spielspaß nimmt nun deutlich zu. Am Ende der ersten Runde sagt fast immer irgendein Mitspieler: Sch...; Mist; F..k, irgendetwas bei dem er es verdient den Mund mit Seife ausgewaschen zu bekommen. Aber an der Stelle wird auch immer klar: es hat klick gemacht, das Spiel ist verstanden.

DivinareNach der Abrechnung, in Runde 2 ist es dann spätestens soweit. Nun wird sich genau überlegt welche Karte ich auf der Hand behalte, welche ich weitergebe. Denn das Weitergeben dient ja nicht nur der Informationserhöhung. Neeiin! Auch kann man so Karten weitergeben die man nicht mehr spielen möchte, weil man sich so super platziert hat! Ja, Divinare ist vielschichtiger als es erst scheint. Vieles läuft unterschwellig ab, der Spielreiz läßt sich nicht unbedingt der Spielregel entnehmen. Da wird geblufft, rumgerechnet, geflucht, gestöhnt oder erleichtert aufgeatmet. Aber alles sehr gedämpft. Denn Divinare braucht Konzentration. Sich merken von welcher Farbe man wieviel Karten schon gesehen hat, sich dazu überlegen wieviele maximal von dieser Farbe im Spiel sein könnten, bedenken das einige immer nicht im Spiel sind. Restrisiko, spekulieren, zocken.  Spiel und Thema passen letztlich doch sehr gut zusammen. So manchmal habe ich schon sinnend auf die Gründe meiner Teetasse geblickt, um dort ein Omen in Bezug auf meine letzten Karten und Bewegungen zu bekommen.

Am besten gefällt mir Divinare übrigens zu Viert. Zu Zweit funktioniert Divinare durch kleinere Regelanpassungen, wird aber glücksabhäniger und verliert an Spannung.

Der Autor von Divinare ist Brett J. Gilbert. Sowas ist doch auffällig. Muss ein Gag sein. Ich habe da mal recherchiert. Und? Den gibt es laut Boardgamegeek aber wirklich! Die Eltern des kleinen Brett müssen wohl auch sehr gut im orakeln gewesen sein, um ihren kleinen Brett nach seiner späteren Bestimmung zu benennen. Denn mit Divinare ist Brett schließlich ein schönes Spiel gelungen. Ob es nun ein Brett- oder ein Kartenspiel handelt, läßt sich allerdings streiten.

Obwohl Divinare durchaus Konzentration braucht, gefällt es auch mir als Bauchspielerin, gerade eben weil sich soviele Dinge unterschwellig abspielen. In der kompakten Schachtel mag vielleicht nicht viel Material stecken, aber dafür steckt umso mehr Spielerlebnis drin. Divinare ist schon etwas Besonders.

...und ich sehe....es ist noch schwach...dieser dichte Nebel....oh...es kommt näher...die Schwaden lösen sich auf...das Bild wird immer klarer......Divinare ist eine wirklich kurzweilige Empfehlung mit viel Atmosphäre!

Wertung: 8 von 10

zu Zweit: 6 von 10

Divinare, Brett J. Gilbert, 2 bis 4 Spieler, ab 13 Jahre, ca. 30 Minuten, Asmodee, 2012


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