Jens hatte einen langen Tag. Er sieht beim späten Abendessen ziemlich müde aus. Ich frage ihn was er denn heute abend noch machen möchte. Jens:"Ich bin echt kaputt, aber falls du möchtest können wir noch ein Spiel spielen." Ich höre diese wahnsinnige Begeisterung in seiner Stimme. "Nein, mach doch lieber etwas wozu du wirklich Lust hast," erwidere ich grosszügig und beginne den Tisch abzuräumen. "Okay, ich werde mich dann vor den PC setzen und noch etwas Command & Conquer spielen.", kommt die Antwort. Ich bin noch am Abräumen, als ich gerufen werde: " Bist Du bald fertig? Ich habe schon mal aufgebaut. Ich dachte, Du wolltest noch gerne spielen!". "Ich denk Command & Conquer ist bei Dir angesagt!", rufe ich aus der Küche. "Ja, schon, aber da lag Alhambra auf dem Tisch. Da hätte ich dann doch Lust zu. Was ist nun?"............
Das spricht doch schon mal sehr für das Spiel. Mein Mann spielt zwar auch gerne, aber diejenige, die IMMER spielen will, bin ich. Es gibt aber auch Spiele, bei denen Jens immer begeistert mitspielt. Bei Lost Cities, Zug um Zug, Thurn und Taxis, Can't Stop und auch bei Alhambra ist dies der Fall.
Ich komme an den Spieltisch und Jens hat schon alles vorbereitet.
Dann kann es ja los gehen. Wir bauen aus Plättchen eine Alhambra vor uns auf den Tisch. Diese besteht aus einzelnen Gebäuden, für die man Punkte erhält. Und eine Mauer entsteht auch. Sie ist 1 Punkt pro Mauerabschnitt wert. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt. Zu Beginn liegt allerdings nur eine punkteloser Brunnen vor uns. Zudem haben wir jeder ein paar Geldkarten auf der Hand. So ein Gebäude ist ja schließlich nicht umsonst. Jens beginnt das Spiel. Er beschliesst erstmal seine Geldhandkarten aufzustocken. In der Auslage liegen immer 4 Geldkarten zur Auswahl. Er kann nun eine beliebige Karte nehmen. Oder aber mehrere, solange er dabei keine grössere Summe als 5 aufnimmt. Das war alles, sein Zug ist beendet.
Ich beschliesse, mir ein Gebäude zu kaufen. 4 Gebäude liegen auf einem Tableau zur Auswahl. Der Haken ist nur, das diese Gebäude 4 verschiedenen Währungen zugeordnet sind. Und nur mit
der passenden Währung darf ich das Gebäude kaufen. Die Währung muss stimmen, nicht aber der Betrag. Ich darf auch mehr bezahlen, bekomme dann aber kein Wechselgeld. Ich bezahle passend und nehme mir das Plättchen mit dem Turm. Der zu zahlende Betrag ist auf dem Plättchen abgebildet. Dieses muss ich nun unter Berücksichtigung einiger Regeln sofort in meine Alhambra einbauen. Jetzt darf ich einen weiteren Zug machen - zur Belohnung für die passende Bezahlung. Ich kann also ein weiteres Plättchen kaufen oder aber Geld nehmen. Da eine 7er Karte Dukaten (orange) in der Auslage liegt, entscheide ich mich für diese. Dadurch hoffe ich, in der nächsten Runde die entsprechenden Gemächer wiederum passend bezahlen zu können. Und wieder einen Doppelzug machen zu können. Jens nimmt wieder nur Geld und daher klappt es, mein Plan geht auf.
Überhaupt läuft es prima für mich. Ich kann viele Doppelzüge
machen. Meine Alhambra wächst und gedeiht. Besonders schön ist es, das die Mauerabschnitte, die immer verschieden, auf den Plättchen abgebildet sind, sich so hervorragend in meine Alhambra einfügen. Bei Jens sieht es, äh, ja mmh, sagen wir mal interessant aus. Er hat sich schon früh zugebaut und es fällt ihm schwer Plättchen sinnvoll einzubauen. Aber er hat auch gar nicht sooo viele. In meinem nächsten Zug nehme ich Geldkarten auf. Als ich die Auslage wieder auffülle, habe ich eine Wertungskarte in der Hand. Davon sind 2 nach einem System in den Geldkartenstapel eingemischt. Und sie lösen - na? - richtig, eine Wertung aus. Also 2 Wertungen gibt es während des Spiels, eine weitere am Spielende. Nun werden die Gebäudetypen durchgegangen und für Mehrheiten gibt es Punkte. Bei der ersten Wertung bekommt nur der erstplazierte Spieler für den entsprechenden Gebäudetyp Punkte. Später erhalten auch Zweit- und Drittplazierte Punkte.
Also Pavillion - Ich habe 2 und damit die meisten - gibt 1 Punkt. Ja, die Punktwerte in der ersten Wertungsrunde sind noch mager. Und der Pavillion ist eh das Gebäude, das am wenigsten Punkte bringt. Serail - Dirk bekommt 2 Punkte. Dirk? Wer ist Dirk? Dirk gibt es auch gar nicht wirklich. Dirk spielt aber immer im 2 Personenspiel mit. Er bekommt Gebäudeplättchen und Punkte, ist aber ansonsten recht ruhig und pflegeleicht. Er stört wirklich nicht. Als ich die Regel zum ersten mal gelesen habe, dachte ich - oh wieder so eine hingebogene 2 Personen Variante. Aber nach unserer ersten 2 Personenpartie habe ich dann feststellen dürfen, das ein Spiel mit Dirk ganz hervorragend funktioniert. Nein, das ist jetzt nicht gut ausgedrückt. Es funktioniert nicht nur, es macht auch richtig viel Spaß.
Nachdem die Punkte für die Gebäude verteilt wurden, gibt es Punkte für die Mauern. Und zwar zählt die längste Mauer jedes Spielers einen Punkt pro Abschnitt. Diese habe ich in den ersten Spielen immer unterschätzt. Und das sollte man nicht tun. Da kann es reichlich Punkte geben. Gerade wenn man sich vor Augen führt, das eine Mehrheit bei den Serails beispielsweise in der ersten Runde 2 popelige Pünktchen bringt.
Das Spiel geht weiter, für mich läuft es weiterhin wie geschmiert. Jens bereut mittlerweile, das Spiel selber vorgeschlagen zu haben. Es geht so nicht weiter. Er fängt an umzubauen. Dazu darf er ein Plättchen aus der Alhambra in sein Reservefeld legen ODER eines aus dem Reservefeld in seine Alhambra einbauen. Das war dann sein ganzer Zug. Dazu greift man wirklich nur in Notfällen. Das Reservefeld ist aber aus einem anderem Grund sehr interessant. So hat Jens folgerichtig erkannt als ich mir die blaue (Denar) Karte mit dem Wert 9 nahm, das ich plante im nächsten Zug passend ein 9er Gemach zu kaufen. Er bezahlt dann schnell unpassend dieses Gebäude. Er kann es aber wegen unpassender Mauer nicht einbauen. Dann kommt dieses Plättchen automatisch auf das Reservefeld des Spielers. Da nützt es ihm nichts, mir aber auch nicht. Und ich hätte mit diesem Plättchen die Mehrheit bei dieser Gebäudeart übernommen. Interaktion findet sonst allerdings kaum statt. Man beobachtet zwar, ob die eigene Gebäudemehrheit in Gefahr ist, schnappt dem Mitspieler mal was weg. Sonst aber, bastelt jeder still und leise an seiner eigenen Alhambra.
Diese sieht aber, wie das gesamt Spielmaterial wirklich schön aus. An dieser Stelle kommt auch ein leichtes Carcassonnefeeling auf. Wie es schon dort toll ist, eine Landschaft entstehen zu lassen, macht es hier Freude, die schöne Alhambra wachsen zu sehen. Außer natürlich, man hat sie so merkwürdig gebaut wie Jens in dieser Partie.... . Zu bemängeln gibt es am Spielmaterial nur das Geld der ersten Auflage. Hier ist das Geld schwer zu unterscheiden. Aber da Alhambra verdienterweise Spiel des Jahres 2003 ist, wurde vom Verlag die Gelegenheit genutzt und nachgebessert. Auch der Name änderte sich, aus rechtlichen Gründen. Aus der schlichten Alhambra wurde das etwas sperrige "Der Palast von Alhambra". Aber nützt ja nix, nee.
Zurück zu unserer Partie. Jens ist wohl wirklich sehr müde. Er verliert mit sehr grossem Abstand. So etwas ist schon vorher vorgekommen, wir haben aber auch Partien mit einem sehr knappen Ausgang erlebt.
Alhambra gefällt mir auch nach über 20 Partien noch sehr gut. Am liebsten spiele ich es zu Zweit und zu Dritt. Bei mehr Spielern dauert es mir zu lange, bis ich wieder am Zug bin. Und es ist dann auch noch weniger planbar. Zu Sechst habe ich es nie gespielt. Der Palast von Alhambra, vormals Stimmt so!, vormals Capone, hat schon einen hohen Glücksanteil. Und doch gibt es auch einiges zu Bedenken. Kaufe ich lieber schnell Plättchen, um schon bei der ersten Wertung gut abzuschneiden? Oder sammel ich erstmal Geld, um hinterher viele Doppelzüge machen zu können? Welche Plättchen haben die Mitspieler und wie kann ich Ihnen in die Suppe spucken? Kaufe ich ein Plättchen und lege es in die Reserve nur weil mein Mitspieler es dringend braucht? Dadurch verschenke ich nicht nur Geld, sondern auch einen Zug. Von welcher Sorte sollte ich unbedingt noch was haben, um bei der Wertung noch Erster oder Zweiter zu werden? Ein Plättchen mit einem uninteressanten Gebäude kaufen, weil die Mauer so gut passt? Dazu kommt die Spannung, ob die Planung so funktioniert oder die nächste Wertung zu früh kommt. Hätte ich doch....
Insgesamt ist Der Palast von Alhambra nicht nur schön anzusehen, sondern auch ein spannendes Spiel der Spitzenklasse. Ein Spiel des Jahres, das wir noch jahrelang spielen werden! Selbst wenn wir müde sind....!
Wertung: 9 von 10
Der Palast von Alhambra, Dirk Henn, Queen Games, 2-6 Spieler, Spiel des Jahres 2003
Achimer ABC am 14.06.2013
Haha (Ironie) Bin bisher davon ausgegangen, dass ihr da gemeinsam spielt. Da habt ihr mich aber. So, Sarah, Minuspunkt f...
Achimer ABC am 14.06.2013
Hahaha... Na Holger und Walter wohnen doch quasi in der Nachbarschaft- schließlich ist die Schweiz ein Dorf und Sottrum ir...
Achimer ABC am 14.06.2013
Hallo Walter "Schatten über Camelot" fand ich ein begnadetes Spiel. Habe es mit Freunden und meiner Frau 4-5mal g...
Achimer ABC am 14.06.2013
Hallo Holger Wenn du Koop-Hasser bist, dann wird dir Flash point vermutlich nicht gefallen. Es ist eigentlich auch nicht ...
Achimer ABC am 14.06.2013
In der Tat Fire Rescue hört sich sehr klasse und innovativ an. Das sage ich als Koop-Hasser. Wie ist denn der Alpha-Tier-...
Achimer ABC am 14.06.2013
Hallo Sarah Das freut mich ja, dass ich dich zu einem Spiel animiere. Normalerweise ist es andersrum. :-) Bin gespannt, ...